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Technische Probleme, neue Regie: Offenbachs Hoffmanns Erzählungen in Köln vor der Premiere
Die Oper Köln bringt am 28. November 2026 Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen auf die Bühne – allerdings in einer anderen Inszenierung als ursprünglich geplant. Wegen technischer Einschränkungen im Opernhaus kann die vorgesehene Produktion von Stefan Herheim nicht realisiert werden. Der brasilianische Regisseur André Heller-Lopes übernimmt kurzfristig und entwickelt eine neue szenische Fassung. Am Pult des Gürzenich-Orchesters steht Generalmusikdirektor Andrés Orozco-Estrada. Die Premiere gehört zu den ersten großen Neuproduktionen im wiedereröffneten Kölner Opernhaus.
© Jann HöferMainz/Köln - Ein Dichter, drei Liebesgeschichten und Figuren, die seine Wirklichkeit ins Wanken bringen: Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen gehört zu jenen Opern, in denen Fantasie und Realität kaum voneinander zu trennen sind. Am 28. November 2026 feiert das Werk an der Oper Köln Premiere – allerdings in einer kurzfristig neu entwickelten Inszenierung. Wegen der technischen Rahmenbedingungen des Hauses kann die ursprünglich vorgesehene Fassung von Stefan Herheim nicht realisiert werden. Stattdessen erarbeitet der brasilianische Regisseur André Heller-Lopes eine eigene szenische Version für Köln.
Die Neuplanung ist auch eine Herausforderung für den Spielbetrieb des erst kürzlich wiedereröffneten Opernhauses. Heller-Lopes übernimmt neben der Regie auch die Bühne. Die neue Inszenierung muss mit den vorhandenen Bühnenbildern und eingeschränkten technischen Möglichkeiten auskommen. An den angekündigten Vorstellungsterminen hält die Oper Köln fest. Wie Heller-Lopes Hoffmanns Wechsel zwischen Traum, Erinnerung und Wirklichkeit unter diesen Bedingungen gestaltet, gehört zu den spannenden Fragen der Premiere.
Im Zentrum steht der Dichter E. T. A. Hoffmann, der in einer Schenke von drei gescheiterten Liebesgeschichten erzählt. Jede Episode führt ihn in eine andere Welt der Sehnsucht: Olympia ist eine künstliche Puppe, die er für einen lebendigen Menschen hält. Antonia ist eine Sängerin, deren künstlerische Begabung mit einer tödlichen Gefahr verbunden ist. Giulietta schließlich bewegt sich in einer Welt der Verführung und Berechnung. Die drei Frauenfiguren spiegeln unterschiedliche Vorstellungen von Liebe – und führen Hoffmann immer wieder an die Grenzen seiner Wahrnehmung.
Offenbachs letzte, unvollendet gebliebene Oper verbindet lyrische Szenen mit grotesken Situationen und Elementen des romantischen Schauermärchens. Die Koloraturarie der Olympia, Antonias ergreifende Gesangsszenen und Giuliettas verführerische Musik verlangen jeweils eigene vokale und darstellerische Qualitäten. Eine weitere dramaturgische Klammer bilden die Gegenspieler Hoffmanns: Lindorf, Coppelius, Dr. Mirakel und Dapertutto werden in Köln von einem einzigen Sänger verkörpert. Insik Choi übernimmt alle vier Rollen und bündelt damit die Bedrohungen, denen der Dichter in seinen Erzählungen begegnet.
Die Titelpartie ist doppelt besetzt. Bei der Premiere singt Young Woo Kim den Hoffmann, bei weiteren Vorstellungen übernimmt Enea Scala die Rolle. Valerie Eickhoff gestaltet die Muse und Niklas, die den Dichter durch die Handlung begleiten. Als Olympia ist Alina Wunderlin angekündigt, Valentina Mastrangelo singt Antonia und Emily Hindrichs Giulietta. Andrés Orozco-Estrada dirigiert das Gürzenich-Orchester Köln und den Chor der Oper Köln.
Für das Haus ist die Premiere in mehrfacher Hinsicht bedeutsam: Sie bringt ein großes Werk des in Köln geborenen Komponisten Offenbach auf die Bühne und zeigt zugleich, wie die Oper mit den technischen Einschränkungen ihres Spielbetriebs umgeht. Nach der Premiere am 28. November sind bis Ende Februar 2027 weitere Vorstellungen geplant.
Hoffmann verliert sich in Bildern, Erinnerungen und unerfüllten Sehnsüchten. In Köln wird nun auch die Entstehung der Inszenierung zu einer Suche nach einer tragfähigen Bühnenwirklichkeit – unter Bedingungen, die der Fantasie enge Grenzen setzen.




